Auf der Bücke des Lebens
Auf der Brücke des Lebens
begegnen uns viele Gestalten, Gesichter und Geschichten.
Da ist ein Versicherungsvertreter, der sagt: „Ich bin toll in meinem Job, denn ich kann reden und somit die Menschen überzeugen, dass sie besser dran sind, wenn sie sich versichern lassen, aber...“, er hält kurz inne, dann spricht er leise weiter: „...aber, meine Frau konnte ich nicht überzeugen..., sie ist einfach gegangen, ohne ein Wort.“ Traurig dreht er sich mit seiner Aktentasche um und geht schweren Schrittes weiter.
Da ist eine Mutter, die sagt: „Ich habe alles versucht, doch ich konnte mein Kind nicht retten. Was habe ich bloß falsch gemacht?“. Sie senkt ihr Gesicht, welches die Tränen verstecken soll und setzt sich still weinend auf eine Bank.
Da ist ein Millionär und er sagt: „Ich habe alles, was ich will, doch wirklich wahre Freunde habe ich nicht. Ich fühle mich so einsam unter all diesen Menschen, die mich tagtäglich begleiten.“ und er schaut schweigend in die Ferne am Horizont.
Doch in der Menge begegnen uns auch Menschen wie dieses kleine Mädchen. Es sitzt in seinem Rollstuhl und winkt freudig den Schiffen zu. „Mama.“, schreit es aufgeregt, „sieh mal.“ Und die Mutter kommt, beugt sich über ihre Tochter, küsst sie herzlich auf die Wange und stimmt ihr lächelnd zu.
Ein alter Mann lehnt sich an das Brückengeländer, während er genüsslich eine Zigarette raucht. Sein Blick liegt auf dem Wellengang, während er spricht: „Ich habe schon so viel in meinem Leben gesehen und vieles davon hätte ich gerne aus meinem Gedächtnis gestrichen. Doch da sind auch die guten Tage, die mich stets hoffen ließen, denn es muss ja doch einen Grund geben, warum wir all das erleben. Ich weiß nicht warum, aber ich bin dankbar für Momente wie diese.“ Eine Frau greift nach seinem Arm und antwortet lächelnd: „Ja, das ist wohl wahr.“ und lehnt sich an ihn.
Ein junger Mann mit Gehstöcken kommt stacksig entgegen und sagt: „Okay, ich habe mir durch einen Unfall die Beine kaputt gemacht, aber was soll´s. Ich kann wieder gehen dank der medizinischen und orthopädischen Möglichkeiten. Darauf kommt´s doch an oder? Was soll ich der Vergangenheit nachweinen..., die habe ich hinter mir gelassen und ein neues Leben begonnen. Mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein.“ und augenzwinkernd lächelt er.
Auf der Brücke des Lebens begegnen wir der Vielfalt des Sein und Jedes ist bemüht, sein Schicksal zu meistern. Wir gehen aneinander vorbei, doch selten hören wir den Geschichten dieser Menschen zu. Darin kann, außer der Verbitterung, auch sehr viel Weisheit liegen, die wir für uns selbst daraus nehmen dürfen, wenn wir es wollen, denn irgendwo inmitten dieser Menschen ist Einer, der sie durch sein Schweigen oder seine Antwort weiter bringt, ganz einfach, weil er einfach da ist, in diesem Moment, wo wir Freude und Leid mitteilen. Die Art und Weise, wie dieser Einer uns erscheint, entspricht unserer Seele, die darum gebeten hat. Es muss nicht unbedingt ein Mensch sein, diese Begegnung hängt ganz von der Situation ab. Mal ist es ein Tier, mal ein Wort, mal ein Bild, mal eine Pflanze oder einfach eine ganz andere Art der Begebenheit. Vielleicht auch nur ein Blick oder ein Atemzug, vielleicht einfach nichts. ...Aber es ist da. Darauf können wir vertrauen.