früher

Veröffentlicht auf von sema´da

als ich selbst noch in der Großstadt lebte,

lag ich oft nachts wach und hörte von dem Bett aus der Straße zu.

 

Wir wohnten meistens an der Hauptverkehrsstraße oder mitten in der City

bis auf eine Ausnahme,die außerhalb des Stadtbereiches lag.

 

Es war eine Wohltat für meine Ohren,

aber eine Traurigkeit für mein Herz.

 

Nachts wurde es etwas ruhiger

und ich genoß die Stille.

 

Und ich dachte oftmals an die Menschen,

die jetzt einsame Herzen waren.

 

Man lebte zwar Tür an Tür,

aber irgendwie doch nicht.

 

Meist gab es nur ein Guten Morgen und Guten Abend.

Damit war dann die Kommunikation schon wieder beendet.

 

Selbst,wenn ich tagsüber Zeit hatte und an der Saaranlage spazieren ging,

kamen mir die Menschen so distanziert vor.

Das Einzige,was mich lächeln ließ,

waren die Kinder,die auf der Anlage ihren Spaß hatten

oder die Hunde,die da rum tollten.

 

Wie einsam erschienen sie mir

und wie traurig machte dies mich.

 

Und nachts dachte ich über diese Menschen nach.

Auch die Clochards bewegten meine Gedanken.

 

Wieviel kalte Nächte verbrachten sie unter den Brücken,

mit und ohne Tierbegleiter.

Ein paar Kartons und Zeitungen waren ihre Zudecke,ihr einigermaßen warmes Bett

und eine Buddel Wein oder ein paar Flaschen Bier wärmten ihre müden Glieder.

Und doch traf ich selten Einen von Ihnen,der todunglücklich gewesen wäre.

Nur Wenige waren diesbezüglich die Ausnahme.

Und sie saßen oftmals gemeinsam zusammen.

 

Und genau sie verglich ich mit den Menschen in ihren Wohnungen.

Dort sah ich weniger Freude,mehr denn je Reservierte und Verängstigte Wesen

und sie waren einsam...

 

Heute kann ich damit umgehen,es akzeptieren,

aber damals empfand ich es als absolut schlimm und traurig.

 

Und mir wurde mein Eigenes bewußt.

Ich selbst trug Trauer in mir.

Ich fühlte ebenso wenig Freude in meinem Leben

wie die erwachsenen Menschen hinter ihren verschlossenen Türen.

 

Das "Überleben" in dieser Welt

gaben mir meine Träume.

Sie hielten mich von etwas ab,

was in gewissen Abständen immer wieder hervor kam.

 

 

Natürlich war es eine Flucht,

aber es hielt mich am Leben.

 

Heute bin ich dankbar dafür und bereue es keine Minute.

Es war und ist okay.

 

Abstellen kann ich dieses Gefühl nie,

denn ich spüre es immer,

wenn ich in die Stadt komme,

aber ich habe gelernt es zu akzeptieren

und den Menschen,

die an mir vorrüber gehen,

ein Lächeln zu schenken.

 

Vielleicht,eines Tages,

erwärmt es ihr Herz genauso

wie Meines...

 

...Schritt für Schritt...

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