sie gaben ihm
an die Hand-
einen Schlüssel,
eine Blume,
einen Stock
und das Wasser.
Noch hatte es nicht verstanden,
was diese Dinge auf seinem Weg
bewirken können,
geschweige denn helfen könnten,
wenn es in Gefahr wäre.
Aber es packte sie ein,
verabschiedete sich
und zog hinaus.
So ging es seines Weges,
ohne Ziel
und ließ sich treiben
durch die Gezeiten des Meeres,
durch der Erden Elemente
und wußte nie,
wo es ankam.
Doch eines Tages verdunkelte sich die Welt.
Schatten irrten wild umher.
Geheul begleitete ihre Reisen
und nichts und niemand
begegnete ihm mit freundlichem Wort.
Es fühlte sich einsam,
ihm war kalt und es fror.
Da kam es zu einem Haus,
ganz verborgen unter Baumästen und Gelaub.
So gerne wäre es hinein gegangen,
in der Hoffnung wissend,
am warmen Feuer Platz zu nehmen.
Es sann nach und da fiel ihm ein,
der Schlüssel,den es um den Hals trug...
Es nahm ihn und wollte gerade ins Schloß setzen
als sich plötzlich die Tür öffnete.
Erstaunt war es schon,
aber auch glücklich,
denn es konnte eine Feuerstelle entdecken,
die gut brannte
und darüber ein großer Topf hing.
Vorsichtig trat es ein,
denn es wollte ja niemanden erschrecken,
aber da war niemand,
den man erschrecken könnte.
So schloß es die Tür hinter sich und
ging zur Feuerstelle,
schaute in den Topf
und war voller Freude,
dies köstliche Mahl zu sehen,
wenn auch nur aus einer einfachen Brühe bestehend.
Es aß sich satt
und fand auch eine Liegestatt,
bettete sich zur Ruh,
doch eh es in den Schlaf versank,
dankte es Gott für diese Gabe.
Am nächsten Morgen wachte es auf,
tat noch einmal großes Feuer,
aß den Rest der Suppe,
verneigte sich und ging von dannen.
So ging es weiter seines Weges
und wenn auch das Geschehene ihm äußerst seltsam anmutete,
so war es doch dankbar für die Gegenwart
eines warmen Platzes mit Essen & Liegestatt.
Unterwegs sah es nur verdorbene Felder.
Nichts hatten die Schatten heil gelassen.
Die Samen,die einst aufgegangen,
waren nun vertrocknet und ausgedörrt.
Der Boden roch nach Fäulnis
und seine Erde ward modrig.
Da wurde es ganz traurig inmitten dieses Verderbens
und weinte sehr.
Es wollte helfen,doch wußte nicht wie.
Da entdeckte es mitten in dieser verdorbenen Natur
ein kleines Fleckchen,
welches noch heil erschien
und es nahm die Blume,
die ihm einst mitgegeben wurde,
pflanzte sie ein,
goß Wasser darüber
und als ob Zeit und Geschehen in diesem Raum keinen Platz hätten,
öffnete die Blume ihre Blätter und verströmte einen
herrlichen wundervollen Duft.
Wie freute es sich,
als es dieses sah,
auch wenn es ihm unglaublich schien,
doch nahm es dies dankbar an,
verneigte sich
und ging dann weiter seines Weges.
Es wanderte weiter,
über Gestein und harten Boden,
über Wurzeln,
verzweigt und verdorrt gewachsen,
so daß es ihm sehr mühsam war,
einen Schritt nach dem anderen zu tun.
Da nahm es seinen Stock,
der ihm den Gang erleichtern sollte,
drückte mit ihm zur Seite,
was im Weg lag,
zerschlug das alte Gedörr
und machte somit den Weg frei.
Nach getanem Werk stütze es sich auf seinen Stock,
um eine Weile auszu ruhen.
Sein Körper schmerzte sehr,
doch war es dankbar,
als es sah,
wie nun der Weg begehbar war.
Es verneigte sich und zog leichten Schrittes weiter.
Es wanderte und wanderte durch die Dunkelheit,
wußte nicht,wo es war
und es machte Rast an einem Ort,
wo die Schatten Erbarmen wiesen,
denn diesen Platz hatten sie nicht berührt.
Welch Wunder,dachte es und ließ sich nieder.
Ein kleiner Flußlauf,umgeben von heiler Erde,
blühenden Blumen und saftigem Gras.
Was hat sie davon abgehalten,sprach es leis vor sich hin.
Doch die Antwort war Mühsal gleich.
So will ich mich denn darin reinigen,
stärken meinen Körper,
der danach labt,von all dem Staub,dem Fäulnisgeruch
und der Verdorrtheit von dunkler Schatten erlöst zu sein.
Und es entwand sich aus seinem Gekleide,
stieg in den Flußlauf und legte sich längs hinein.
Ah,wie wohltuend,empfand es dies,
trank davon
und alsbald schlief es ein,
umgeben von einem wunderschönen Ort,
der inmitten der Schattenwelt
geschützt und geborgen lag.
Als es aufwachte,
wußte es nicht wie ihm geschah.
Stand es in einem hellen Licht
und eine Stimme sprach:
Nun mein Kind,was hast du erlebt?
Es zögerte eine Weile,denn es konnte niemanden erkennen
und seine Augen waren geblendet von dem strahlenden Licht.
Mein Kind,Ich Bin Es.Sag,erzähle mir,was hast du getan?
Nun fasste es sich ein Herz und sprach:
Ich kann dich nicht sehen,
noch fühlen,
aber deine Stimme ist gewaltig und dein Licht von starker Macht.
Da lachte es aus dem gleißenden Strahl und fragte:
Willst du wissen,Wer Ich Bin?
Ja,damit wäre mir sehr gedient,Licht.
Aber zuvor will ich dir deine Frage beantworten.
Nichts habe ich getan
in der Welt der Mühsal,
außer eine Tür öffnen zu wollen,
mit dem Schlüssel an meinem Hals,
die sich von selbst eröffnete
und mir Wärme,Essen und Schlafesruh schenkte.
Eine Blume zu pflanzen,
die mit dem mir gegebenen Wasser zu tränken
und alsbald öffnete sie ihr Herz inmitten der Schatten,
die ihre Nähe meideten.
Den Weg mit einem Stock frei zu legen,
der nur mit hartem Gestein und verdorrten zähen Wurzel und Geäst
begattet war und mich zuletzt auf ihn zu stützen der Ruhe willen
nach getaner Arbeit
Und als Letztes,bevor ich zu dir kam Licht,
in einer Oase der Heiligkeit getrunken und gebadet habe,
um wieder zu Kräften zu kommen und mich
all des Staubes,der Fäulnis Geruch und Verdorrtheit zu befreien.
Hier wachte ich auf und wie du siehst,
habe ich nicht wirklich etwas getan.
Erlebt habe ich die Schatten,
die meinen Weg stetig kreuzten,
wo auch immer ich war,
doch gab es selbst in dieser Dunkelheit
einen Lichtfleck,
der mich weiter voran gehen ließ.
Da sprach das Licht:
Du glaubst,du hast nichts getan?
und es lächelte:
du hast eine Tür geöffnet
und somit viele Türen
für die,die nach dir kommen.
Du hast eine Blume gepflanzt
und somit viele,
denn sie sind die Nachkommen dieser einen Blume.
Du hast den Weg frei gelegt mit einem Stock
und somit auch andere Pfade begehbar gemacht,
für die,die nach dir kommen.
Du hast die Erde getränkt mit dem Wasser,
daß deiner ist
und somit fruchtbar gemacht,
für die,die nach dir kommen.
Und du hast zu guter Letzt gebadet in der Quelle allen Lebens,
hast dich nie von deinem Weg abbringen lassen
und getan,was dein Herz dir sagte.
Wahrlich mein geliebtes Kind,
wahrlich ich sage dir,
du hast mehr getan
als manche Seele,
die heulend und klagend über die Erde zog.
Sie gab nur ihren Schmerz in den Boden,
doch daraus ging nichts hervor,
noch fegte sie mit dem Stock das Unkraut hinweg,
um den Weg zu ebnen,
noch gab sie Wasser dem Dürstenden.
Sie badete ihm Wasser der Dunkelheit,
statt im Quell des Lebens.
Wahrlich,höre mein Kind,
gesegnet der Seele Schatten,die du berührst,
denn ihrer ist deine ganze Liebe.
Da erkannte es das Licht
und verneigte sich vor ihm.
Und der Himmel stimmte zu Ehren der Seele
ein Lobgesang an,
welches Widerhall
in allen Seelen fand,
die noch in der Schattenwelt lebten.
Von da an
wurde das Licht immer stärker und größer
und leuchtet auch in den letzten dunklen Winkel,
um auch ihm das Heil zu offenbaren...
gesegnte bist du und alles,was lebt...
heute,hier und immerdar...
in Liebe